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Von der irrealen Realität

Alexander Mikula

Fotomanipulation und Composing sind zwar nicht neu, jedoch bedurfte es zu ihrer weiteren Verbreitung erst der digitalen Revolution und ihrer computerisierten Hilfsmittel. Abgesehen von der vermeintlichen Abbildung der Wirklichkeit in nicht manipulierten Aufnahmen – besteht auch ein Unterschied in ihrem Wesen?

Was definiert das einfache, das nicht manipulierte Foto? Es sind Abbildungen von realen, zur gleichen Zeit am gleichen Ort befindlichen Objekten (seien das jetzt Menschen, Gegenstände oder Landschaften) bei denen nur die der dem Fotografen zur Verfügung stehenden optischen Mitteln (Blickwinkel, Brennweite, Bokeh,..) eingesetzt wurden. Die Nachbearbeitung ändert gegebenenfalls den Ausschnitt und lokale Helligkeiten, fügt dem Bild aber nichts gegenständliches hinzu. Der Großteil der fotochemischen Aufnahmen gehört zu den einfachen Fotos (mit wenigen Ausnahmen wie “Einsamer Großstädter” von Herbert Beyer), das gilt auch für alle seriösen Reportagen und selbstverständlich die so weit verbreiteten Schnappschüsse wie Familienbilder und Aufnahmen aus dem Urlaub auch wenn der Versuch gemacht wurde eine schöne oder künstlerische Abbildung zu erschaffen – unabhängig von der Aufnahmetechnik. Zu den einfachen Fotos zählt die Aufnahme von Tanta Berta genauso wie die Akte von Mapplethorpe.

Man kann sogar soweit gehen zu sagen die einfachen Fotos wären “Fotos” wobei die manipulierten in ihrem eigentlichen Sinn “Bilder” sind, da sie sich von fotografischen Prozess doch zunehmend entfernen, in ihm – wenn überhaupt – nur den Anfang nehmen.

Ein Foto kann aber in seiner ureigensten Wesensart und gebunden durch seine Entstehung nicht mehr tun als den Tod zu zeigen, Aufzeichnung zu sein einer Person, einer Landschaft, eines Objektes, das zum Zeitpunkt der Aufnahme war, nun nicht mehr ist und nie wieder genau so sein kann. Ein Foto ist – zum Unterschied zum Bild – Ausdruck von Vergangenem und vergänglichen, repräsentiert das “war” wie auch immer schön und idealisiert, ist verstaubtes Bild einer vergangenen Zeit. Das mag auch der Grund sein, warum uns das Betrachten von Fotos sentimental stimmt und es doch kaum eine Aufnahme vermag echte Emotionen in uns zu wecken (das gilt selbst für sehr intensive Fotos wie “Zurück von Entebbe” von Micha Bar-Am).

Und doch werden Tag für Tag zahllose Fotos gemacht, sind wir als Gesellschaft versessen unsere Umgebung abzulichten, sei es einfach nur geknipst oder auch wohl überlegt und konstruiert, mit großem Können oder einfach nur so. Dieser Drang bestätigt die Vermutungen von Susan Sonntag (”Über Fotografie”), Roland Barthes (”Die helle Kammer”) und anderen Autoren die sich der Fotografie als Thema angenommen haben oder auch die Wahrnehmung selbst betrachten (etwa Jean-Paul Satre, “Die Vorstellung”), dass der eigentliche Sinn eines Fotos darin besteht zu konservieren, ein kleines Stück Unsterblichkeit zu schaffen für den Fotografierten oder als Bestätigung des Seins zu dienen für den Fotografen.