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Vom Loch im Strumpf oder warum Irritation Bilder interessanter macht

Alexander Mikula

Light Of My Life_AMI6033-1126.jpg

Zu dem Bild "Light of my Life" (aus der Unreal Exhibition) bin ich wiederholt gefragt worden, ob die Löcher in den Strümpfen Absicht waren.

Gute Frage. Absicht, natürlich. Das ganze Bild ist bewusst komponiert.

Würde das Bild ohne die Löcher auch funktionieren? Ja, schon. Aber vermutlich nicht so gut. Warum das so ist, hat viel damit zu tun wie wir entscheiden ob wir unsere Zeit darauf verwenden sollen ein Bild länger anzusehen.

Aufmerksamkeit erregen: Den Betrachter dazu bringen das Bild anzusehen.

Wenn der Betrachter ein Bild sieht, dann entscheidet er in kürzester Zeit ob er es näher ansehen will oder nicht. Nur wenn etwas das Interesse weckt, wird es überhaupt angesehen. Das tut es zum Beispiel, wenn uns das abgebildete Thema gerade beschäftigt - ich will ein neues Fahrrad haben, deshalb fallen mir Bilder mit Rädern auf. Nachdem uns sicherlich nicht alle das gleiche beschäftigt, müssen wir den Betrachter anders einfangen. Etwa mit einer Emotion. Das Bild vom Sonnenuntergang am Meer weckt angenehme Erinnerungen; deshalb tendieren wir dazu es anzusehen. Eine andere Möglichkeit ist die Irritation. Etwas Unerwartetes. Ein Bild von einer Frau ist nichts besonderes. In Strumpfhose? Haben wir auch schon 1000x gesehen. Sie hat einen Lampenschirm am Kopf. Was?! Wir sehen hin.

Interesse wecken: Den Betrachter dazu bringen sich mit dem Bild zu beschäftigen.

Nachdem wir die Aufmerksamkeit des Betrachters jetzt haben, wollen wir ihn so lange wie möglich bei dem Bild halten. Dazu habe ich in das Bild kleine Anomalien eingearbeitet, die den Betrachter dazu verleiten, sich weiter mit dem Bild zu beschäftigen. Ganz der Jäger auf der Suche nach Beute. Und wenn wieder ein Detail gefunden ist das nicht auf den ersten Blick offensichtlich war, dann fühlt sich der Betrachter belohnt, sucht weiter und riskiert einen zweiten Blick.

Löcher in Strümpfen? Die sind auf einem Porträt ungewöhnlich und deshalb interessant. Das ist für mich auch der Grund, warum viele Bilder nur kurz funktionieren. Wenn wir nichts Neues finden, nichts Ungewöhnliches, dann wird es langweilig und der Betrachter zieht weiter. Wer einen Sonnenuntergang am Meer gesehen hat, hat sie alle gesehen. Außer am Horizont steht eine Kuh und sieht uns an. Seht ihr was ich meine?

In "Light of my Life" gibt es übrigens mehrere Dinge zu entdecken: den Lampenschirm anstelle des Kopfes, das Gesicht des Models, welches sich mehrfach in den Linsen des Schirms zeigt, die Löcher in den Strümpfen, die lackierten Zehennägel und die Tatsache, dass die Szene in einer Küche spielt - und die Lampe eindeutig aus einem Wohnzimmer ist. Die letzte Dissonanz in dem Bild ist übrigens der Titel. Denn der gehört ja auch dazu...

Lesetipp: Werner Gaede: Abweichen von der Norm (Wirtschaftsverlag Langen Müller Herbig)