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WebSite von Andrea Neumann und Alexander Mikula

Wir sind künstlerische Fotografen und Digital Artists.

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Filtering by Category: Theorie

Vom Loch im Strumpf oder warum Irritation Bilder interessanter macht

Alexander Mikula

Light Of My Life_AMI6033-1126.jpg

Zu dem Bild "Light of my Life" (aus der Unreal Exhibition) bin ich wiederholt gefragt worden, ob die Löcher in den Strümpfen Absicht waren.

Gute Frage. Absicht, natürlich. Das ganze Bild ist bewusst komponiert.

Würde das Bild ohne die Löcher auch funktionieren? Ja, schon. Aber vermutlich nicht so gut. Warum das so ist, hat viel damit zu tun wie wir entscheiden ob wir unsere Zeit darauf verwenden sollen ein Bild länger anzusehen.

Aufmerksamkeit erregen: Den Betrachter dazu bringen das Bild anzusehen.

Wenn der Betrachter ein Bild sieht, dann entscheidet er in kürzester Zeit ob er es näher ansehen will oder nicht. Nur wenn etwas das Interesse weckt, wird es überhaupt angesehen. Das tut es zum Beispiel, wenn uns das abgebildete Thema gerade beschäftigt - ich will ein neues Fahrrad haben, deshalb fallen mir Bilder mit Rädern auf. Nachdem uns sicherlich nicht alle das gleiche beschäftigt, müssen wir den Betrachter anders einfangen. Etwa mit einer Emotion. Das Bild vom Sonnenuntergang am Meer weckt angenehme Erinnerungen; deshalb tendieren wir dazu es anzusehen. Eine andere Möglichkeit ist die Irritation. Etwas Unerwartetes. Ein Bild von einer Frau ist nichts besonderes. In Strumpfhose? Haben wir auch schon 1000x gesehen. Sie hat einen Lampenschirm am Kopf. Was?! Wir sehen hin.

Interesse wecken: Den Betrachter dazu bringen sich mit dem Bild zu beschäftigen.

Nachdem wir die Aufmerksamkeit des Betrachters jetzt haben, wollen wir ihn so lange wie möglich bei dem Bild halten. Dazu habe ich in das Bild kleine Anomalien eingearbeitet, die den Betrachter dazu verleiten, sich weiter mit dem Bild zu beschäftigen. Ganz der Jäger auf der Suche nach Beute. Und wenn wieder ein Detail gefunden ist das nicht auf den ersten Blick offensichtlich war, dann fühlt sich der Betrachter belohnt, sucht weiter und riskiert einen zweiten Blick.

Löcher in Strümpfen? Die sind auf einem Porträt ungewöhnlich und deshalb interessant. Das ist für mich auch der Grund, warum viele Bilder nur kurz funktionieren. Wenn wir nichts Neues finden, nichts Ungewöhnliches, dann wird es langweilig und der Betrachter zieht weiter. Wer einen Sonnenuntergang am Meer gesehen hat, hat sie alle gesehen. Außer am Horizont steht eine Kuh und sieht uns an. Seht ihr was ich meine?

In "Light of my Life" gibt es übrigens mehrere Dinge zu entdecken: den Lampenschirm anstelle des Kopfes, das Gesicht des Models, welches sich mehrfach in den Linsen des Schirms zeigt, die Löcher in den Strümpfen, die lackierten Zehennägel und die Tatsache, dass die Szene in einer Küche spielt - und die Lampe eindeutig aus einem Wohnzimmer ist. Die letzte Dissonanz in dem Bild ist übrigens der Titel. Denn der gehört ja auch dazu...

Lesetipp: Werner Gaede: Abweichen von der Norm (Wirtschaftsverlag Langen Müller Herbig)

Do you allow Photoshop?

Alexander Mikula

People often ask: "Do you allow Photoshop?"

That is not the point. It's how good it is. We don't mind a Photoshopped picture if it makes a point. Just because you have used Photoshop, doesn't make it a good or bad image. It's just a tool to help you. It's what you do with that tool that counts.

(Terence Pepper, in "Professional Photographer")

 

Das gleiche gilt eilgentlich für Kamera (digital oder nicht) und all die anderen Spielsachen: a tool is just that - a tool...

Hinter der Fotografie ist kein reales Objekt

Alexander Mikula

Hinter der Fotografie ist kein reales Objekt, nur ein weiteres Bild

[Don Slater]

Das Bild einer Pyramide ist nicht das Bauwerk selbst sondern die Bild Idee einer Pyramide. Ein Foto kann - ebenso wie jedes andere Medium - die Wirklichkeit nicht abbilden, ist bestenfalls der Versuch die Bildidee des Fotografen zu vergegenständlichen. Was beim Betrachter ankommt steht in starkem Zusammenhang mit dessen erlernten und erfahrenen semiotischen Wissen, ist demnach geprägt durch das psychosoziale Umfeld. Es ist jedoch nicht notwendig ein ausgebildeter Semiotiker zu sein um zu erkennen das ein Foto nicht "wahr" ist, die Wirklichkeit nicht abbilden kann.

Trotz der Erkenntnis das es eine absolute Wirklichkeit nicht gibt (zumindest im nicht theologischen Sinne) da auch ohne vermittelndes Medium der Erkenntnisgewinn des Betrachters einer in der physischen Welt existierenden Szene von dessen Erfahrungsschatz - und damit von seiner Persönlichkeit - geprägt und damit nicht allgemein gültig ist doch die langläufige (emotionale) Meinung das die chemiebasierende (d.h. nicht digitiale) Fotografie ein gültiges Bild der Wirklichkeit ist, obwohl sie das zu keinem Zeitpunkt war (als Beispiel siehe "Carolling" von Henry Peach Robinson, entstanden 1887 sowie "The Two Ways of Life" von Oscar G. Rejlander entstanden 1857) und in Ermangelung einer absoluten Wirklichkeit auch nie sein konnte.

Die Annahme das "klassische" Fotografien eine ikonenhafte und gegen das abgebildete Objekt wahrhaftige Repräsentation der Wirklichkeit sind erscheint nun die digitale Fotografie inhärent ikonoklastisch, unrealistisch und irrelevant. Das mag aus dem Unwissen herrühren was ein Bild in wirklich ist, begründend sein in der generellen Angst vor neuen - und unverstandenen - Technologien (ohne unterstellen zu wollen das die Möglichkeiten zur Bildmanipulation in einer Dunkelkammer weithin bekannt sind) oder auch nur aus der Furcht entstehen das "Neue" würde das "Alte" vernichten. Dabei gibt es viele Gründe bestimmte Szenen analog zu fotografieren - und ebenso viele sich für bestimmte Aufnahmen der digitalen Technik zu bedienen. Welches Medium verwendet wird ist eine Entscheidung die einzig der treffen kann der sich aufmacht, eine Bildidee umzusetzen. Wie nahe das Ergebnis an der subjektiven Wirklichkeit des einzelnen ist wird in keinem Fall davon abhängig sein welches Medium gewählt wurde.

Von der irrealen Realität

Alexander Mikula

Fotomanipulation und Composing sind zwar nicht neu, jedoch bedurfte es zu ihrer weiteren Verbreitung erst der digitalen Revolution und ihrer computerisierten Hilfsmittel. Abgesehen von der vermeintlichen Abbildung der Wirklichkeit in nicht manipulierten Aufnahmen – besteht auch ein Unterschied in ihrem Wesen?

Was definiert das einfache, das nicht manipulierte Foto? Es sind Abbildungen von realen, zur gleichen Zeit am gleichen Ort befindlichen Objekten (seien das jetzt Menschen, Gegenstände oder Landschaften) bei denen nur die der dem Fotografen zur Verfügung stehenden optischen Mitteln (Blickwinkel, Brennweite, Bokeh,..) eingesetzt wurden. Die Nachbearbeitung ändert gegebenenfalls den Ausschnitt und lokale Helligkeiten, fügt dem Bild aber nichts gegenständliches hinzu. Der Großteil der fotochemischen Aufnahmen gehört zu den einfachen Fotos (mit wenigen Ausnahmen wie “Einsamer Großstädter” von Herbert Beyer), das gilt auch für alle seriösen Reportagen und selbstverständlich die so weit verbreiteten Schnappschüsse wie Familienbilder und Aufnahmen aus dem Urlaub auch wenn der Versuch gemacht wurde eine schöne oder künstlerische Abbildung zu erschaffen – unabhängig von der Aufnahmetechnik. Zu den einfachen Fotos zählt die Aufnahme von Tanta Berta genauso wie die Akte von Mapplethorpe.

Man kann sogar soweit gehen zu sagen die einfachen Fotos wären “Fotos” wobei die manipulierten in ihrem eigentlichen Sinn “Bilder” sind, da sie sich von fotografischen Prozess doch zunehmend entfernen, in ihm – wenn überhaupt – nur den Anfang nehmen.

Ein Foto kann aber in seiner ureigensten Wesensart und gebunden durch seine Entstehung nicht mehr tun als den Tod zu zeigen, Aufzeichnung zu sein einer Person, einer Landschaft, eines Objektes, das zum Zeitpunkt der Aufnahme war, nun nicht mehr ist und nie wieder genau so sein kann. Ein Foto ist – zum Unterschied zum Bild – Ausdruck von Vergangenem und vergänglichen, repräsentiert das “war” wie auch immer schön und idealisiert, ist verstaubtes Bild einer vergangenen Zeit. Das mag auch der Grund sein, warum uns das Betrachten von Fotos sentimental stimmt und es doch kaum eine Aufnahme vermag echte Emotionen in uns zu wecken (das gilt selbst für sehr intensive Fotos wie “Zurück von Entebbe” von Micha Bar-Am).

Und doch werden Tag für Tag zahllose Fotos gemacht, sind wir als Gesellschaft versessen unsere Umgebung abzulichten, sei es einfach nur geknipst oder auch wohl überlegt und konstruiert, mit großem Können oder einfach nur so. Dieser Drang bestätigt die Vermutungen von Susan Sonntag (”Über Fotografie”), Roland Barthes (”Die helle Kammer”) und anderen Autoren die sich der Fotografie als Thema angenommen haben oder auch die Wahrnehmung selbst betrachten (etwa Jean-Paul Satre, “Die Vorstellung”), dass der eigentliche Sinn eines Fotos darin besteht zu konservieren, ein kleines Stück Unsterblichkeit zu schaffen für den Fotografierten oder als Bestätigung des Seins zu dienen für den Fotografen.